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Die Schweiz gehört in den UNO-Sicherheitsrat

(Version en français ci-dessous)


Geht es nach dem Willen des Bundesrates, sitzt unser Land schon 2023 und 2024 im UNO-Sicherheitsrat. Das ist ein logischer Schritt und eine riesige Chance für die Schweiz.


Vor achtzehn Jahren, am 3. März 2002, sprach sich das Volk für den Beitritt der Schweiz zu den Vereinten Nationen (UNO) aus. Zu dieser Zeit war unser Land bereits Mitglied mehrerer UNO-Sonderorganisationen, nicht jedoch der Organisation selbst, der heute 193 Mitglieder angehören. Der Entscheid der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wurde zweifellos von der Überzeugung diktiert, dass Zweck, Grundsätze und Ziele der UNO weitgehend mit den von unserem Land vertretenen und verteidigten Werten und Interessen übereinstimmen. Ebenfalls ausschlaggebend für das Abstimmungsresultat war jedoch, dass die UNO als universelle Organisation wahrgenommen wurde, die sich den Herausforderungen, mit denen sich unser Planet konfrontiert sieht, zu stellen vermag. In diesem Sinne war die Entscheidung sicherlich im besten Interesse der Schweiz, aber gleichzeitig auch ein Akt der internationalen Solidarität.


Seither hat sich die Schweiz als aktives, engagiertes und angesehenes Mitglied der UNO etabliert. In so wichtigen Bereichen wie Frieden und Sicherheit, Förderung der Menschenrechte oder der nachhaltigen Entwicklung – um nur einige Beispiele zu nennen – bringt sich die Schweiz als kompetente und konstruktive Partnerin ein.

Seit ihrem Beitritt hat die Schweiz in mehreren UN-Gremien wie dem Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) oder dem Menschenrechtsrat Einsitz genommen, jedoch nie im Sicherheitsrat. Der Bundesrat entschloss sich 2011 dazu, diesen Schritt zu gehen und kommunizierte die Kandidatur der Schweiz für einen nicht-ständigen Sitz im Sicherheitsrat für den Zeitraum 2023/24 – ein Schritt, der übrigens bereits 2002 in Betracht gezogen worden war. Das Parlament hat wiederholt seine Unterstützung für diesen Bundesratsbeschluss bekräftigt.

Zur Erinnerung: Der UNO-Sicherheitsrat zählt 15 Mitglieder, von denen zehn einen nicht-ständigen Einsitz haben. Letztere werden von der UNO-Generalversammlung für einen Zeitraum von zwei Jahren und auf regionaler Basis gewählt. Die regionale Gruppe, welcher die Schweiz angehört (WEOG, d.h. Westeuropa und andere Länder), hat Anspruch auf zwei Sitze. Die Schweiz strebt an, einen davon für diesen Zeitraum zu besetzen. Bis heute wurde für dieselbe Periode nur eine weitere Kandidatur aus der WEOG-Gruppe bekanntgegeben, nämlich jene von Malta. Es kann jedoch gut sein, dass in der Zeit bis zur Wahl im Sommer 2022 noch weitere Staaten ihr Interesse bekunden.



UN Photo by Manuel Elias


Die Hauptverantwortung des Sicherheitsrates liegt in der Wahrung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit. Dies geschieht durch die Förderung einer friedlichen Beilegung von Streitigkeiten zwischen Konfliktparteien, kann aber auch bindende Massnahmen zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit beinhalten. Jedes UNO-Mitglied muss rechtsverbindliche Entscheidungen des Sicherheitsrates akzeptieren und umsetzen.


Sicherlich hat der Sicherheitsrat nicht alle Konflikte gelöst, die weltweit bestehen. Es wäre illusorisch und naiv, dies zu glauben. Die Realität der Machtkämpfe sieht so aus, dass die Grossmächte und fünf ständigen Mitglieder, welche über ein Vetorecht verfügen (China, Frankreich, Russland, USA und das Vereinigte Königreich), Massnahmen ablehnen können, die sie als gegen ihre Interessen verstossend wahrnehmen. Gleichzeitig ist es jedoch so, dass dieses Recht heute auch mit einer gewissen Zurückhaltung ausgeübt wird.


Die Schweiz als Mitglied des Sicherheitsrates:


  • kann zur Formulierung von Resolutionen des Sicherheitsrates beitragen, indem sie ihren Standpunkt zum Ausdruck bringt. Dies ist im Interesse unseres Landes, das weder Mitglied einer militärischen Allianz noch einer supranationalen Organisation ist;

  • wird auch in der Lage sein, ihre Qualitäten als Vermittlerin auf der Suche nach Kompromissen und ihre traditionellen Guten Dienste besser einzubringen – Werte, die von ihrer Aussenpolitik getragen und aufgrund ihres internationalen Engagements respektiert werden; Werte eines Staates, der weder eine geheime Agenda noch geopolitische Ambitionen hegt;

  • wird die rotierende Präsidentschaft des Sicherheitsrates für einen Monat übernehmen und kann dort ihre Prioritäten bei der Ausarbeitung der Tagesordnung des Rates einbringen;

  • wird in der Lage sein, sich auch im Sinne ihrer Rolle als Gaststaat vieler internationaler Organisationen und damit für das Internationale Genf als zentrale multilaterale Plattform dezidiert einzusetzen;

  • wird ihr Netzwerk innerhalb der Organisation und ihrer zahlreichen Akteure konsolidieren können, was der schweizerischen Aussenpolitik zusätzliche Wirkungskraft verleiht.


Skeptische Stimmen monieren, dass der Beitritt zum Sicherheitsrat nicht mit dem Status eines neutralen Landes vereinbar wäre. Dass die Realität anders aussieht, haben nicht zuletzt die vergangenen Einsitze der neutralen europäischen Staaten Österreich, Finnland, Irland und Schweden gezeigt. Darüber hinaus stellt die Anwendung des Völkerrechts und insbesondere des humanitären Völkerrechts, mit dem die Schweiz eng verbunden ist, die Neutralität in keiner Weise in Frage. Ebenso wenig ist die Neutralität anwendbar auf allfällige zwangsbehaftete Massnahmen, sollte der Sicherheitsrat solche beschliessen.

Mit dem Bestreben, als nicht-ständiges Mitglied in den Sicherheitsrat gewählt zu werden, zeigt die Schweiz auf entschlossene Weise, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst ist – der Verantwortung aller souveränen Staaten der internationalen Gemeinschaft, durch Förderung von Frieden und Sicherheit zur harmonischen Entwicklung der internationalen Beziehungen beizutragen. Sie beweist damit ihre Bereitschaft, ihren Anteil zu leisten, um eine stabile und verlässliche globale Rechtsordnung Wirklichkeit werden zu lassen.

Als Vereinigung, welche sich für die Stärkung der Beziehungen zwischen der Schweiz und der UNO einsetzt, unterstützt die Gesellschaft Schweiz-UNO (GSUN) die Kandidatur unseres Landes für den UNO-Sicherheitsrat vollumfänglich.


Dieser Artikel erschien am 7.6.20 in der NZZ am Sonntag.


Ulrich Lehner ist Präsident der Gesellschaft Schweiz-UNO

La candidature de la Suisse au Conseil de sécurité : un acte responsable


La Suisse a adhéré aux Nations Unies en 2002, mais elle n’a encore jamais siégé au sein du Conseil de sécurité, son organe exécutif chargé du maintien de la paix et de la sécurité internationale. Les membres dits non permanents sont élus par l’Assemblée générale sur une base régionale. La Suisse est aujourd’hui candidate pour la mandature 2023-2024, mais cela engendre un important débat interne.

Il y a 18 ans, le peuple souverain vota l’adhésion de la Suisse à l’Organisation des Nations Unies (ONU). À l’époque, notre pays était déjà membre de plusieurs organisations spécialisées des Nations Unies mais non pas de l’Organisation elle-même qui compte aujourd’hui 193 membres. Ce choix des citoyennes et citoyens de notre pays fut dicté, sans doute, par la conviction que la finalité de cette Organisation, ses principes et ses objectifs, coïncident très largement avec les valeurs et intérêts promus et défendus par notre pays. Mais aussi par l’opinion que seule l’ONU, organisation universelle par définition, est en mesure d’affronter les principaux défis auxquels notre planète doit faire face. Dans ce sens, sa décision fut certes dans l’intérêt bien compris de la Suisse mais aussi un acte de solidarité internationale.

Depuis lors, la Suisse s’est révélée être un membre actif, engagé et respecté au sein de l’ONU. Dans des domaines aussi cruciaux que la paix et la sécurité, la promotion des Droits de l’Homme ou le développement durable, pour ne citer que ces exemples, la Suisse propose, contribue, modère et joue pleinement son rôle de contributeur constructif.


Depuis son adhésion, la Suisse a siégé au sein de plusieurs organes de l’ONU tels que le Conseil économique et social (ECOSOC) ou le Conseil des Droits de l’Homme mais jamais au sein du Conseil de sécurité. Or, le Conseil fédéral, avec le soutien répété du Parlement, a décidé de faire un pas supplémentaire – déjà envisagé en 2002 d’ailleurs – en proposant la candidature de la Suisse à un siège non permanent du Conseil de sécurité pour la période 2023-2024. Pour rappel, ce Conseil est composé de 15 membres, dont 10 non permanents, élus sur une base régionale pour une durée de deux ans par l’Assemblée générale des Nations Unies. Le groupe auquel appartient la Suisse dispose de deux sièges et la Suisse en convoite un pour ladite période.

Photo: Marina Stalder


La responsabilité première du Conseil de sécurité est le maintien de la paix et de la sécurité internationales. Pour ce faire, il s’emploie à favoriser un règlement pacifique des différends entre parties à un conflit mais peut aussi décréter des mesures afin de maintenir ou rétablir la paix et la sécurité. Tout membre des Nations Unies doit accepter et appliquer les décisions du Conseil de sécurité qui sont juridiquement contraignantes.


En aspirant à être élue en qualité de membre non permanent du Conseil de sécurité, la Suisse fait preuve d’un sens résolu de responsabilité. La responsabilité qui incombe à tout Etat souverain membre de la communauté internationale de contribuer au développement harmonieux des relations internationales en promouvant la paix et la sécurité. Elle témoigne de sa volonté de contribuer à l’élaboration d’un ordre juridique international stable et certain.


En tant que membre du Conseil de sécurité, la Suisse :

  • pourra contribuer à la formulation des résolutions du Conseil de sécurité en y faisant valoir son point de vue. Il en va de l’intérêt bien compris de notre pays, membre d’aucune alliance militaire ni d’organisation supranationale ;

  • pourra aussi mieux faire valoir ses qualités de médiatrice à la recherche de compromis et ses bons offices traditionnels. Des valeurs reconnues de sa politique étrangère et respectées au titre de son engagement international ; celui d’un pays qui n’a pas d’agenda secret ni d’ambitions géopolitiques ;

  • sera amenée à assumer la présidence tournante du Conseil de sécurité pendant un mois et pourra y faire valoir ses priorités lors de l’élaboration de l’agenda du Conseil ;

  • pourra s’engager résolument en faveur de son rôle d’Etat hôte de nombreuses organisations internationales et, partant, de la Genève internationale.


D’aucuns rétorqueront que l’accession au Conseil de sécurité serait incompatible avec le statut de pays neutre. La réalité est tout autre comme en témoigne la présence passée au sein du Conseil de sécurité des Etats neutres européens que sont l’Autriche, la Finlande, l’Irlande et la Suède. De surcroît, l’application du droit international et notamment du droit humanitaire international auxquels la Suisse est intimement attachée ne remet aucunement en cause la neutralité. Ainsi, la neutralité ne s’appliquerait pas à d’éventuelles mesures coercitives adoptées par le Conseil de sécurité.

En tant qu’association engagée en faveur d’un renforcement des relations entre la Suisse et l’ONU, l’Association Suisse-Nations Unies (ASNU) soutient sans réserve la candidature de notre pays au Conseil de sécurité.

Cet article a été publié sur le blog de foraus le 27 septembre 2019.


Ulrich Lehner est président de l'Association Suisse-ONU.

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